Cappuccina

Veröffentlicht: Sonntag, 04. November 2018

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Scappato! Abseits vom Massengeschlurfe rund um San Marco und der Kanalüberspannerin am Rialto weht es mich durch sinistre Gassencanyons, labyrinthig und sinnlich durch die Gerüche Venedigs.

Hier modert es bruchbudig-feucht, dort hat sich der Duft von frischer Tomaten-Basilikum-Sauce energisch an altem Gemäuer festgekrallt. Ich wundere mich über die Gleichförmigkeit der braunroten, in ganz Venedig - vielleicht seit der Hunnenzeit? - angemalten Hausnummern. Diese scheinen überall, fernab aller Zeiten, geradezu zauberisch gleich geblieben zu sein. Dunkle Gassen, kleine Brücken mit bedeutungsvollen Namen wie “Ponte Paradiso“. Na ja… bescheiden waren die Veneziani noch nie.


Plötzlich spuckt mich eine Calle auf einen sich schlundartig öffnenden Campo, rüpelt mich, beidarmig stoßend, ins grelle Tageslicht. Vor mir protzt sich ein Riesenkerl auf: der wortgewaltige Nicolo Tommaseo. Noch fast lichtblind entziffere ich meine Ankunft am Campo San Stefano. An die roten und gelben Palastfassaden der umgebenden Patrizierhäuser brandet, luce alta, das einflutende Sonnenlicht, eine tiefe, selbstherrliche Ruhe, wie nach einem Sturm, lastet federleicht auf dem ganzen Platz. Vom istrischen Marmor wie mit einer blendenden Brandungsgischt strahlend zurückgeworfen. Und kein „Gondola- Gondola“-Rio umfließt angenehmerweise den Campo. Auch hier ist es wie so oft in der Serenissima: in vielen anderen Städten hat man den Eindruck, die Plätze sind um und für das zentrale Denkmal geschaffen - hier ist es anders: die in Bronze gegossenen, vermeintlich Wichtigen, sind lediglich geduldet. Ausnahme der Regel ist  der Campo San Bartolomeo der seinem pfiffig-schmunzelnden Spaziergänger Carlo Goldoni huldigend zu Füßen liegt. Aber wer ist schon dieser marmorne Tommaseo?

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