Eine Insel mit zwei Schrauben - Erfolgsfaktoren

Veröffentlicht: Freitag, 17. November 2017

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Welche Faktoren haben zu dieser in der Touristikindustrie beispiellosen Entwicklung geführt? Durch eine, zunächst nur von US-amerikanischen Großreedereien, konsequent betriebene Produktpolitik mit neuen Schiffen bis zu 6.000 Betten Kapazität wurden neue Kostenstrukturen geschaffen.
Verbunden mit einer weitest gehenden Produktstandardisierung und einem optimierten Hospitality Management wurden dadurch Stückkosten drastisch gesenkt, durch die Schaffung einer Vielzahl innovativkreativer Freizeitangebote an Bord neue Einnahmequellen erschlossen. Im Gegensatz zur traditionellen Kreuzfahrt wird heute weniger „mit“ dem Verkauf von Kreuzfahrten sondern „am“ Verkauf verdient: die Großreedereien erzielen durch die sog. „Onboard – Revenues“, definiert durch Landausflugsverkauf, Barkonsum, Shopping an Bord, Fun- und Wellnessangeboten etc. etc., Zusatzerlöse in Höhe von durchschnittlich Euro 50-60/ Person und Tag. Bei einer 7-tägigen Kreuzfahrt und einer Schiffskapazität von z.B. 3.000 Betten summieren sich diese Zusatzerträge auf deutlich über eine Million. Pro Schiff. Pro Woche. Die üblichen Provisionen für vermittelnde Reisebüros werden dabei, die Kostenoptimierung lässt grüßen, elegant „ausgespart“. In der Distributionspolitik der Großreedereien erfolgt zudem eine zunehmend starke Ausrichtung auf den Direktvertrieb und damit eine kostenreduzierende Vertriebssteuerung. Aus dem Airline-Business wurden die Techniken des Yield Managements übernommen und auf das Produkt Kreuzfahrten mit allen seinen, ein effizientes Yielding unterstützenden, Eigenheiten perfektioniert angepasst. Eine Schiffsauslastung der Megaliner von nahezu 100 %, und damit die Vermeidung von Leerkosten, ist deshalb nicht die Ausnahme sondern eher die Regel.


 

No money, no honey …

Letztlich aber ist alles viel einfacher als es jetzt so bedrohlich aussieht: die bevorstehende Flut der neuen Kreuzfahrtschiffe ist nicht die Kriegserklärung des Tourismus an die bekannten Destinationen sondern vielmehr…. deren „Rettung“! Die modernen Schiffe sind bereits zu Urlaubsorten, zur Destination an sich geworden, bieten sich den Verbrauchern als neue Urlausdestination an sich an. Der Großteil der von den Reedereien enormen Renditen entsteht nicht durch die ausgeschriebenen, den Buchenden meist günstig anmutenden Reisepreisen, sondern von den realisierten, horrenden Umsätzen an Bord. So sorgen, immer gegen Aufpreis,  z. B. kirmesartige Angebote wie z. B.  Auto Scooter, ein Kran der Urlauber auf 90 Meter über Meereshöhe befördert, abenteuerliche Rutschbahnfahrten, künstliche Surfwellen, ein persönlicher Schwebflug auf dem Flowrider, Klettergärten am Schlot der Schiffe, Eislaufbahnen usw. usw. für eine umfangreiche Entertainmentstruktur für die Gäste. In vielen eleganten Themen-Restaurants kann der Gast, der eher kantinenhaften Grundverpflegung am Buffet gegen Aufpreis entkommen, sich in modernsten Spas kosmetisch und körperlich trimmen. Gegen Eintritt werden die Gäste nach Einbruch der Dunkelheit durch innovative Shows im Broadwaystil, zukünftig vermutlich in Hologrammform, unterhalten. Durch schiffsspezifische Apps werden die Urlauber permanent über aktuelle Veranstaltungen und Angebote auf ihrer schwimmenden Insel informiert und animiert. Hohe Preise an den Bars der Schiffe,  Shopping Malls, Fotostudios, eine Zirkusschule für den Nachwuchs und ein durchdachtes Management des Passagierflusses an Bord führt/verführt den Gast zu erheblichen  Ausgaben. Diese werden durch eine Onboard-Kreditkarte getätigt, und durch dieses Plastikgeld entgleitet den Urlaubern häufig die Kontrolle über ihre Nebenkosten. Aktuell werden bereits durchschnittlich bis zu 80 EUR pro Passagier und Tag realisiert, bei einer 7-tägigen Reise beläuft sich dies für den Gast  auf Zusatzkosten in Höhe von ca. 500 bis 600 EUR pro Person, bei einem Großschiff wie der OASIS OF THE SEAS auf rund EUR 3,5 Millionen Umsatz für die Reederei. Pro Reise! Auf das Jahr umgerechnet für ein Schiff dieser Größe auf EUR 180 Mio.
Zur Kostenreduzierung werden für diese Massenprodukte, häufig aus logistischen Gründen, Standardisierungen auch im Routenverlauf und der Hafenauswahl vorgenommen. Letztere müssen in der Nähe von Großflughäfen lokalisiert sein, um damit möglichst alle internationalen Quellmärkte bedienen und eine maximale Auslastung der schwimmenden Urlaubsorte erreichen zu können.

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