Mayday …Mayday - Seetouristik in Not!

Veröffentlicht: Donnerstag, 18. März 2021

Keine Branche ist in den vergangenen 20 Jahren so dynamisch gewachsen wie die der Kreuzfahrten.


Und bis zum Anfang dieses Jahres standen alle Zeichen weiter auf ein noch Schneller, noch Größer, noch Ertragreicher. Die marktführenden seetouristischen Großkonzerne schrieben für die Touristik geradezu „utopisch“ hohe Nettorenditen von 15 - 19 %, die Auftragsbücher der Werften für Neubauten waren prall gefüllt. Die vier größten Reedereikonzerne kontrollierten nahezu 90 % des Weltmarktes und die Zeichen standen weiter­hin klar auf aggressive Expansion. Insgesamt waren für 2020 von den großen Reedereien sieben Großschiffe mit zusätzlich rund 32.000 Betten Kapazität zur Indienststellung vorgesehen, weitere Großschiff-Neubauten mit einer Kapazität von zusätzlich rund 27.000 Betten sollten bis 2026 folgen. Bei einer durch­schnittlichen Reisedauer von 7 Tagen müssten also ab 2026 insgesamt ca. drei Mio. Gäste oder knapp 21 Millionen Übernachtungen pro Jahr zusätzlich ver­kauft werden. Der chinesische Konzern Genting erteilte außerdem Neubau­aufträge für die asiatischen Märkte: zwei Schiffe mit einer Kapazität von je über 9.000 Betten wurden bei der renommierten MV-Werft in Wismar platziert, liquiditätsstarke Unternehmen wie Virgin Voyages und Ritz Carlton erklärten in statements ihre festen Pläne, demnächst in die Boombranche Kreuzfahrten einzu­steigen.

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Eine Insel mit zwei Schrauben

Veröffentlicht: Freitag, 17. November 2017

Zukunftsperspektiven der Kreuzfahrt

Dramatische Veränderungen und ein äußerst progressives Marktwachstum im europäischen Markt prägen die Urlaubsreise und die Entwicklung der beliebtesten Destinationen. Die klassischen Badeziele für den Pauschalurlauber sind weitestgehend erschlossen, zusätzlich kommen neue Quellmärkte, wie der russische hinzu, weitere wie die asiatischen werden ebenfalls weiter expandieren. Für den Pauschalurlauber wichtige Urlaubszielländer wie Ägypten, Tunesien vor allem aber die Türkei haben durch politische Einflüsse stark an Anziehungskraft verloren, und es steht zu befürchten, dass dies noch einige Zeit andauern wird. In den großen Urlaubsdestinationen entwickelt sich seit Jahren zunehmender Widerstand der Bevölkerung gegen diese Lebensart und Lebensraum für die Einheimischen verschlingenden Urlauberströme. Immer mehr und immer schneller dominiert die Geldgier des Tourismusgeschäfts. So haben Inseln wie Santorin, Mykonos, sogar das Großziel Mallorca vermutlich ohne es zu ahnen bereits die letzte Phase ihres touristischen Lebenszyklus´ erreicht. In Großdestinationen wie z.B. Mallorca verabschiedet man inzwischen, ähnlich wie bei der aktuellen Migrationswelle, Gesetze die eine „Obergrenze“ von Touristen vorsehen um den hinterlassenen Müllbergen und dem Wassernotstand zu begegnen. Die neuen gigantischen Kreuzfahrtschiffe erbrechen zudem tausende Tagesausflügler in die Innenstädte, die sich zur Verzweiflung der Einheimischen z. B. durch die engen Gassen Venedigs und Dubrovniks drängen, die Ramblas von Barcelona fluten oder sich stundenlang, zunehmend aggressiver werdend, vor den kultur-touristischen Highlights wie der Sixtinischen Kapelle, der Akropolis oder dem Louvre stauen.

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Ans Ende der Welt

Veröffentlicht: Donnerstag, 16. März 2017

Eine Reise für Globetrotter

Sofort ersterben die Gespräche auf dem Achterdeck und vereinen sich zu einem internationalen, langgezogen-erregten, runden „ohhhh“….. In der Sprachdeutung der Expeditionskreuzfahrer bedeutet dies: Wal in Sicht! Irgendwie meint man, den Mastausguck des Hollywood-Walfängers Pequod zu hören: „Wal, da bläst er!“ Alle Reisenden haben inzwischen die Kameras gezückt und geben ihr Bestes, die vielen Blase der gemächlich passierenden Walfamilie irgendwie auf die Festplatten zu bannen und ein seltsam andächtiges Gefühl macht sich beim Anblick der Riesen breit. Dabei sind Wale in knapp 54 Grad südlicher Breite gar keine Seltenheit. Gott sei Dank haben die Käpt`n Ahabs und ihre grausamen Mitstreiter und Nachfolger  doch nicht ganze Arbeit geleistet.

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MS HAMBURG: Gorillas im Eismeer

Veröffentlicht: Sonntag, 04. November 2018

Die HAMBURG gleitet bei der Ausfahrt aus dem grönländischen Fjord bei Paamiut lautlos auf eine gigantische, im Sonnenlicht hellblau strahlende Eisbergkathedrale zu.

Von der Kälte geschützt, sitzen an den großen Fenstern des Schiffes die staunenden Reisenden, die bereits nach wenigen Tagen zu einer Gemeinschaft zusammen gefunden haben. Diese Mischung aus erfahrenen Globetrottern und Wiederholungsreisenden parlieren, nicht ohne Stolz, ange-regt über ihre vielfältigen Reiseerlebnisse: Ilse schwärmt von ihrer letzten Safari durch die Namib-Wüste, Gertrud vom Schwimmen mit den lustigen Amazonasdelfinen. Sylvia kontert - Eis ist Trumpf - mit der letzten Antarktis-Kreuzfahrt mit „Ihrer“ HAMBURG. Die Dürre aber, deren Namen noch keiner kennt , schießt sie, erlebnistechnisch, mit ihren Erzählungen alle ab: “Ich war bei den Berggorillas in Rwanda!“.

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Die Freiheit der Meere...

Veröffentlicht: Dienstag, 20. August 2013

...oder nachhaltige Expansionsstrategien der Kreuzfahrtindustrie.

Dies also soll die Freiheit der Meere sein: gut drei Fußballfelder lang, rund 70 Meter hoch, eine schneeweiße Wand, scheinbar aus identischen Containern an der Pier fest vertäut. Erst bei genauerem Hinsehen wird anstatt der gewaltigen Containerstapel ein Puzzle aus unzähligen Balkonen erkennbar, das sich letztlich zum Gesamtbild eines modernen Kreuzfahrtenschiffes zusammenfügt: MS LIBERTY OF THE SEAS. Bis zu knapp 4.500 Passagiere finden auf der 16 Decks hohen Riesin Platz. Der uramerikanische Schiffseigner ROYAL CARIBBEAN CORPORATION ist der zweitgrößte der Welt und erwirtschaftet mit den 22 Schiffen seiner auf den Massentourismus ausgerichteten Flotte der Marke ROYAL CARIBBEAN CRUISES in 2012 insgesamt ca. 6 Mrd. Dollar Umsatz p.a. weltweit. Die Potentiale der außeramerikanischen Märkte hat man dabei erst vor knapp 15 Jahren ernsthaft ins Auge gefasst, in 2013 werden aber mit den Mega-Schiffen für die europäischen Quellmärkte bereits 107 Abfahrten ab europäischen Häfen angeboten.

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Creating values auf hoher See

Veröffentlicht: Donnerstag, 08. August 2013

Wie Großreedereien Erträge scheffeln.

„Wenn ein Gast am Ende einer Reise seine Fahrt zum Flughafen mit dem Taxi selbst bezahlen kann, haben wir schlecht gearbeitet!“ sagt Micky Arison, der Eigner und General Manager des weltgrößten Kreuzfahrtenkonzerns CARNIVAL CORPORATION (Weltmarktanteil knapp 50%). Und damit ist der Kern der Unternehmensphilosophie und das Geschäftssystem der sog. „modernen“ Kreuzfahrten mit Megalinern schon recht genau umrissen. „Kreuzfahrten sind ein unbedeutender Nischenmarkt und außerdem wird da aufgrund der vielen Rabatte kein Geld verdient“. Meinte ein vermeintlicher Brancheninsider, warum auch immer, kürzlich feststellen zu müssen. Und irrte/irrt mit dieser ziemlich „exclusiven“ Meinung grundlegend. 

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Massentourismus oder die Korruption der Gastfreundschaft?

Veröffentlicht: Mittwoch, 14. August 2013

Eine Chronik vom Ausverkauf menschlicher Werte.

Xenos- im Griechischen hat dieses Wort zwei gleichwertige Bedeutungen: Fremder und…Gast! Gastfreundschaft wurzelt, unabhängig von unterschiedlichen Kulturen, Regionen und Zeit in religiösen Grundüberzeugungen und Lehren. Bei Ur- und Nomadenvölkern zelebriert als auf gewisse Zeit begrenzte, rituelle Aufnahme des Fremden in den eigenen Stamm, in der Antike verstanden als religiöse Pflicht, im Katholizismus als eines der Werke der Barmherzigkeit, im Islam als Selbstverständlichkeit der Bewirtung und Beherbergung Durchreisender oder in Not geratener. Und Gastfreundschaft war die Wurzel des Rechts auf Asyl, wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt, des „unberaubt seins“. Gastfreundschaft steht also über Beherbergung und Verpflegung hinaus auch für respektvolle, durchaus durch Neugier getriebene Integration, für wahrhaftes Interesse am anderen Sein und dem Willen das eigene zu offenbaren.

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